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Unser Gleichgewichtssinn – so hält er uns in Balance

Lesezeit ca. 3 Min

Im Alltag wird uns unser Gleichgewichtssinn nur selten bewusst, doch tatsächlich ist er wie eine Art unsichtbarer Dirigent, der jede unserer Bewegungen orchestriert. Damit dies reibungslos funktioniert, spielen verschiedene Körpersysteme zusammen – allen voran: unser Gleichgewichtsorgan.

Geradeaus laufen, aus dem Bett aufstehen, Treppensteigen – alles ein Kinderspiel! Aber nur dank unseres Gleichgewichtssinns, den wir für jede noch so alltägliche Bewegung brauchen. Um in Balance zu bleiben, sind zahlreiche Informationen nötig, die von verschiedenen „Parteien“ geliefert werden: dem visuellen, somatosensorischen und dem vestibulären System, zu welchem auch unser Gleichgewichtsorgan gehört. Diese Informationen werden im Gehirn zu einer komplexen Lage- und Raumempfindung verarbeitet, die dann an unser Bewegungssystem weitergeleitet wird. Damit wir uns sicher im Raum bewegen können, arbeitet im „Hintergrund“ also ein riesiges Netzwerk von Strukturen zusammen – und jede Störung eines Details kann zu Schwindel führen.

Das visuelle und somatosensorische System

Wahrscheinlich keine große Überraschung: Hinter dem visuellen System stecken unsere Augen. Sie nehmen Informationen über unsere Umgebung auf und senden sie über den Sehnerv an die zuständigen Gehirnregionen. Ergänzt wird das Ganze dann durch das somatosensorische System – also die Wahrnehmung des eigenen Körpers, die in Tiefen- und Oberflächensensibilität unterteilt wird:

  • Tiefensensibilität ist die Wahrnehmung bestimmter Reize aus dem Körperinneren

  • Oberflächensensibilität sind die Empfindungen, die über die Körperoberfläche wahrgenommen werden

Damit diese Reize an das Gehirn weitergeleitet werden können, befinden sich in den Gelenken, Muskeln, Sehnen und in der Haut spezielle Rezeptoren.

Im Zentrum: das Gleichgewichtsorgan

Das vestibuläre System: Unser Gleichgewichtsorgan

Wer Probleme mit dem Gleichgewicht hat oder von Schwindel betroffen ist, ist beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt an der richtigen Adresse, denn unser Gleichgewichtsorgan ist Teil des Innenohrs. Seine Aufgabe ist es, Bewegungen in jede erdenkliche Richtung wahrzunehmen und diese Information dann ans Gehirn weiterzuleiten. Das Gleichgewichtsorgan besteht aus zwei Teilen:

Vorhofsäckchen

Wenn Sie Fahrstuhl fahren oder im Auto beschleunigen, werden die beiden Vorhofsäckchen angesprochen. Sie informieren das Hirn darüber, wenn sich Ihr Körper nach vorn, hinten oder zur Seite und nach oben oder nach unten bewegt. Diese Säckchen können Sie sich als Bläschen vorstellen, die sich im Vorhof befinden und durch feine Gänge miteinander verbunden sind. Sie werden auch Utriculus und Sacculus genannt und enthalten Sinneshaarzellen, die jeweils in eine gallertartige Membran hineinragen – im Utriculus ist sie horizontal angeordnet, im Sacculus vertikal. In der Oberfläche der Gallertschichten befinden sich kleine Kristalle aus Kalziumkarbonat (Ohrsteinchen oder Otolithen). Wenn wir uns bewegen, bewegt sich entsprechend auch die Membran und die Sinneszellen werden in eine bestimmte Richtung gebogen. Auf diese Weise nehmen wir Schwerkraft und lineare Beschleunigungen wahr.

Bogengänge

Wenn Sie Ihren Kopf drehen, kommen die Bogengänge ins Spiel – dank ihnen kann unser Gleichgewichtsorgan Drehbewegungen erfassen. Die Bogengänge sind drei halbrunde Kanäle, die mit Flüssigkeit gefüllt sind und jeweils in einer Ausbuchtung – die sogenannte Ampulle – enden. Dort befinden sich ebenfalls bewegungsempfindliche Sinneshaarzellen, die bei Bewegung von der Flüssigkeit umgebogen werden.

 

Die aufgenommenen Informationen gibt das Gleichgewichtsorgan über den Gleichgewichtsnerv an bestimmte Areale im Hirn und Hirnstamm weiter, wo diese dann verarbeitet werden. Diese drei Bestandteile – also das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, der Gleichgewichtsnerv und die zugehörigen Hirnareale – werden als Gleichgewichtssystem oder vestibuläres System bezeichnet.

Das Gleichgewichtssystem als Ursache für Schwindel?

Schwindel kann verschiedene Ursachen haben – und manche davon stammen von unserem Gleichgewichtssinn selbst. Wenn Ihr Arzt von einem peripher-vestibulären Auslöser spricht, sind damit die Strukturen unseres Gleichgewichtssinns gemeint, die außerhalb des Gehirns liegen: also das Gleichgewichtsorgan im Innenohr sowie der Gleichgewichtsnerv. Dahingegen haben zentral-vestibuläre Schwindelursachen ihren Ursprung im Gehirn selbst. Natürlich gibt es auch Auslöser, die sich außerhalb des Gleichgewichtssystems befinden: die nicht-vestibulären Schwindelursachen. Hierzu gehören z.B. Herz-Kreislauf-Probleme oder Medikamentennebenwirkungen, aber auch Erkrankungen der übrigen am Raumgefühl beteiligten Sinnessysteme.

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