Ein komplexes Gesamtbild

Damit wir unsere Orientierung im Raum aufrechterhalten und uns sicher bewegen können, benötigen wir neben dem Gleichgewichtssystem noch weitere Sinnessysteme, die perfekt mit dem Gleichgewichtssinn zusammenarbeiten müssen:

  • Die Augen nehmen Informationen über unsere Umgebung auf und senden sie über den Sehnerv an die zuständigen Gehirnregionen. Man nennt die beteiligten Strukturen zusammenfassend visuelles System (lat. videre, visum = sehen).
  • Außerdem wichtig für die Raumorientierung sind Bewegungsinformationen, die unsere Tiefensensibilität (die Wahrnehmung bestimmter Reize aus dem Körperinneren) uns über unsere Lage, Kraftanstrengung und Bewegung vermittelt. Dazu befinden sich Rezeptoren in Haut, Muskulatur, Sehnen und Gelenken. Die dort empfangenen Reize werden ebenfalls an das Gehirn gesendet. Zusammenfassend spricht man vom somatosensorischen System (gr. soma = Körper; lat. sentire, sensum = fühlen).

Vestibuläre, visuelle und somatosensorische Informationen werden im Gehirn zu einer komplexen Lage- und Raumempfindung verarbeitet und die „Ergebnisse“ an das motorische System (Bewegungssystem, von lat. motor = der Beweger) weitergeleitet. Damit wir uns sicher im Raum bewegen können, arbeitet also ein riesiges Netzwerk von Strukturen zusammen – jede Störung eines Details kann zu Schwindel führen.

 

Beispiele für die Entstehung verschiedener Schwindel-Formen

  • Um alle eingehenden Informationen richtig verarbeiten zu können, muss das Gehirn gut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt sein. Dazu sind eine ausreichende Durchblutung und ein gesunder Stoffwechsel nötig – deswegen kann es z.B. bei niedrigem Blutdruck oder Diabetes zu Schwindel kommen.
  • Wenn man als Beifahrer im Auto liest, nimmt das somatosensorische System die Beschleunigung wahr, das Auge aber nur die statische Buchseite. Die im Hirn ankommenden Informationen widersprechen sich, was zu Irritationen führt – das Ergebnis ist eine Kinetose (Reisekrankheit).
  • Dem Schwindel kann eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuropathia vestibularis) als peripher-vestibuläre Ursache zugrunde liegen.
  • Als zentral-vestibuläre Ursachen von Schwindel kommen verschiedene neurologische Erkrankungen infrage, bei denen unmittelbar das Gehirn betroffen ist.
  • Die Ohrsteinchen aus dem Vorhof können sich lösen, in die Bogengänge gelangen und dort Irritationen verursachen – es kommt zum gutartigen Lagerungsschwindel

Für die unterschiedlichen Schwindel-Formen gibt es also eine Vielzahl von Ursachen. Wiederkehrende Schwindelattacken sollten in jedem Fall ernst genommen und durch den Arzt abgeklärt werden.

 

 

 

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